Die Relativität der Sicherheit

Herbert Wagner hat sich nach einem schweren Unfall und der frühzeitigen Pensionierung eine neue Existenz aufgebaut: Der Ex-Kripo-Beamte ist heute führender Sicherheitsexperte.

Herbert Wagner, MSc, MBA

Vor 12 Jahren war Herbert Wagner ganz unten. Am Ende seiner Karriere, am Tiefpunkt seines Lebens. Nach einem schweren Verkehrsunfall wurde der einst jüngste Kriminalbeamte im Burgenland von einem Tag auf den anderen aus dem Spiel geworfen: Vier zermürbende Jahre verbrachte er im Krankenstand. Nach zwölf Operationen und mit acht fehlenden Gelenken im linken Fuß galt Wagner von Amts wegen als körperbehindert - er trägt einen orthopädischen Schuh und ist beim Laufen gehandicapt - und wurde gegen seinen Willen in Pension geschickt.

Am Boden

Damals war Herbert Wagner 36 Jahre. "Ich war völlig am Boden, bin nur zu Hause herumgelegen", erinnert sich der zweifache Familienvater. Am schlimmsten war, "keine Aufgabe zu haben". Alles aus und vorbei? Nein, der frühere Karatekämpfer hat sich selbst aus der Defensive gefightet. Nicht, weil er anderen etwas heimzahlen wollte. "Ich hege keine negativen Gefühle gegen die Polizei, ganz im Gegenteil. Und mit den Kollegen von damals verstehe ich mich noch heute super." Wagners alleiniger Antrieb: er wollte sich selbst etwas beweisen.

Am Beginn seines zweiten Lebens stand ein Schreibtisch in einem Untermietzimmer in der Eisenstädter Fußgängerzone. "Ich wollte eine Firma machen, um gerade mal leben zu können, ein Nullsummenspiel."

Wink des Schicksals

Doch diesmal meinte es das Schicksal mit Herbert Wagner besser: Heute ist der Ex-Cop Eigentümer und Chef eines florierenden Sicherheits-Unternehmens mit 70 Angestellten und rund 300 fallweise beschäftigten Mitarbeitern. Von den Mörbischer Seefestspielen bis zum Fest der 1000 Weine, vom Nova Rock in Nickelsdorf bis zu den Opernfestspielen in Sankt Margarethen: Es gibt im Burgenland kaum eine Großveranstaltung, die ohne "Wagner Sicherheit Gmbh - Security & Safety Management" über die Bühne geht.

"Mir ist vieles einfach passiert", sinnt Wagner über Wege und Umwege zum Erfolg nach. Ein Erfolgsrezept bis heute: Bei Wagner spürt man das ehrliche Bemühen um das Wohl seiner Kunden, er hechelt nicht dem schnellen Euro hinterher. Anders gesagt: Wagner ist viel mehr "Heger" denn "Jäger". Freilich ist Kundenorientierung nur die eine Seite der Medaille, die andere ist hart erarbeitet. "Ich habe nach meiner Pensionierung alle möglichen Ausbildungen gemacht, vom Brandschutzbeauftragten bis zum Ersthelfer." Zuletzt hat Wagner an der Donau-Uni Krems den "Master of Science in Security and Safety Management" absolviert. Damit gehört er österreichweit zu den bestausgebildeten Sicherheitsexperten.

Diese Kompetenz hat auch den europäischen Fußballverband beeindruckt: Wagner hat als Person - nicht als Firmenchef - eine UEFA-Auftrag an Land gezogen.

Als sogenannter "Safety & Security Coordinator Official Sites" ist er dafür verantwortlich eine Basisversorgung für die Sicherheit in allen "official sites"(Sicherheit außerhalb der Stadien) zu entwickeln und die Umsetzung mit Partnern aus dem privaten Sicherheitsdienstleisterbereich (ARGE Sicherheit) zu übernehmen.

Bis Ende Juni ist Wagner damit voll am Ball, seinen Firmen kann er sich bis dahin nur am Abend und an Wochenenden widmen. Wagner weiß: Laufen die Geschäfte gut, läuft das Familienleben nebenher.

Aber Wagner jammert nicht, weil er weiß, dass nichts im Leben umsonst ist: "So schlimm mein Unfall auch war und ist - ich habe Schmerzen und werde weitere Operationen über mich ergehen lassen müssen: er hatte auch was Positives." Hat er es geschafft? "Es soll nicht schlechter werden als jetzt", wünscht sich Wagner. Wer wüsste schließlich besser um die Relativität von Sicherheit Bescheid?

Quelle: Kurier online (06.02.2008)